Beethoven hätte keine Chance

Beethoven  Festivals, fast in jeder europäischen Groß- oder Kleinstadt. Workshops , Tagungen Ausstellungen, Termine, Termine im Berliner Tagesspiegel, ja eine Untersuchung über Beethovens Füße wurde dort vorgeschlagen, bis zu Beethovens Kekse mit denen Bonn sein  Renomme aufpolieren will.  Auch die immer noch vorhandenen neokolonialistischen Strukturen , die heute grausamer sind als jene öffentlich bedauerten  lange Schatten des Kolonialismus (Berliner Tagesspiegel vom 16.1.) feierten ein fröhliches Comeback, indem man ausländische Gäste Beethoven auf heimischen Instrumenten spielen lässt. Die 5. auf  Sitar oder nubischer Leier ein doppelter kultureller Mord.

DIE ZEIT widmete Beethoven, der Rebell eine ganze Nummer, 5. Januar für solche Schweine spiele ich nicht sagte der Komponist  wenn sein Publikum nicht bei der Sache war – und brach das Konzert ab. Wer war dieser geniale Berseker ?

 

Dass er genial war, ahnten einige, aber wussten nicht alle. Deshalb war es ein bedrohliches Zeichen, wenn einer seiner Förderer mit seiner Entourage ein Klavierkonzert verließ, weil es sie verstörte, wie der hervorragenden Film, ausgestrahlt bei Arte zeigte. Der Unterschied zu heute: Aller Wahrscheinlichkeit nach könnte solch ein Konzert heute nicht mehr gehört werden. Aus Mangel an persönlichen Förderern und eigenen Mitteln müsste Beethoven einen Antrag bei den vielen öffentlich ausgeschriebenen Förderungen stellen, was ihn schon vor große Schwierigkeiten stellte, weil er sich als Komponist sah und nicht als Programmierer vorgegebener Leitlinien. Auch wenn  er aus reinem Zufall evt. diese Hürde genommen hätte wäre er bei 2. gescheitert. Zur Komplettierung seines Antrags  wäre er zu einer Beratung bestellt worden – und diese wäre- dieses ist fast 100 % sicher bei dem Berseker - gescheitert. Solle nun ein guter Gott über unseren Beethoven  gewacht haben und er hätte – wider alle Erwartungen Fördermitteln erhalten, wäre sein Schicksal besiegelt, wenn er sein Konzert abgebrochen hätte wegen eines unaufmerksamen Publikums.  Er wäre in der Zeit handies und Aufmerksamkeitspanne von 15. Minuten nie über den 1 Satz gekommen. Alle Konzerthäuser dieser Stadt wären bei der Nennung seines Namens schreiend davon gelaufen. Er würde nicht mehr existieren , er wäre als Komponist und dies bedeutet auch als Mensch tot.

 

Nun sind wir bestimmt nicht die einzige denen diese Gedanken durch den Kopf gehen und dies möge Förderer aller Art dazu bestimmen, Kompositionen und Komponisten  besonders neuere  nicht zu fördern. Sie sind anstrengend und  bei beim Publikum nicht beliebt. Sie verpassen  also die Motivation, meinen Ruf als Förderer zu mehren. Klangkunst als Unterhaltung ist wirklich besser. Beim Publikum beliebt und daher in jedem Fall nützlicher.

Es fragt sich nur, ob wirklich Steuergelder dafür ausgegeben werden müssen. Jedes Kaufhaus kann das besser. Unterhaltung und Tourismus bestimmen kulturelle Förderung. Die eigene Kommune, das eigene Leben  und Erleben , ja Europa  ist nicht wichtig. Könnte das gefährlich werden ?

 

Robert Weiss