Die Musikvermittlung ist erwachsen geworden

Von Teilhabe und Teilgabe berichtet die nmz in ihrer September Ausgabe 2017 zur Würdigung von Lydia Grün und 10 Jahre junge Ohren. Dieser Bericht verträgt sich gut mit dem R.T. im Deutschland Radio zum Thema bilden wir zu viele Musiker aus?

Angesichts der abnehmenden Zahl von Orchestern und Theater mögen es nun Oper, Operetten oder Theater sein und dem damit verbundenen Verlust an festen Stellen ist ein R.T. mit einem solchen Thema berechtigt. Die ehrliche  Diskussion dieses Themas, auf dem permanenten Hintergrund der drohenden Prekarisierung der kommenden Künstlergeneration sollte deshalb auch die Diskussion über die Zukunft bestimmen, weil, und hier möchte ,man dem Artikel der nmz widersprechen, die Vermittlung neuer Musik noch nicht erwachsen geworden ist.

Der Leiter des Dresdner Orchesters wies mit Recht darauf hin, dass man die andere Seite der Medaille der Eroberung einer festen Stelle auch sehen müsse,  denn das hieße sehr oft, gerade auch in einer Zeit fehlender Ausstiegschancen, dass der Künstler 40 Jahre im gleichen Orchester mit einem ähnlichen Programm spielt. Für viele Künstler, auch Menschen, eine Horrorvorstellung und ein hoher Preis für eine Festanstellung. Das Problem fehlender Stellen mit einem den Lebenshalt deckenden Bezahlung wird noch durch den vielfachen Zugzug von Künstlern aus Ost und Mitteleuropa verstärkt, die nach dem Wegfall öffentlicher Förderung in ihren Ländern in die Bundesrepublik mit der Möglichkeit öffentlicher Förderung kommen.

Leider zeigt dies aber keine Lösung des Problems sondern fördert eher die Tätigkeiten von außerkünstlerischen Berufen wie Kuratoren und Managern, die das Flechtwerk von Förderungen privaten und öffentlichen kennen und sehr oft über die notwendigen Netzwerke verfügen für den erfolgreichen Weg vom An- tragsteller zum geförderten Mitspieler. Damit ist zwar für diesen oft eine Teilhabe gewonnen wie man bei den Ensembles sehen kann, die gerade „angesagt“ sind, aber das bedeutet in nuce nur eine geringe Teilhabe der Musikszene.

Große Häuser, wie z.B. die Komische Oper versuchen über Projekt- und andere Förderung hier zusätzlich Mittel zu acquirieren, aber die eine eigene Ausprägung und programmatische Schärfung kleiner unabhängiger Ensembles verhindern. Wir würden sagen, das Gegenteil sollte geübt werden und große Häuser verpflichtet werden, mit unabhängigen Künstlern zu kooperieren, damit endlich mit der Mammutaufgabe der Neuen Musik begonnen werden kann, der  Musikvermittlung in die Öffentlichkeit hinein.

Den großen Opern und Konzerthäusern wird in den nächsten Jahren ein Publikum abhandenkommen, jenes Bildungsbürgertum, zu dessen Begriff von einem guten Leben der Besuch eines Symphonie oder einer Oper gehörte. Aber nicht alle Vertreter der jüngeren, bildungsnahen Generation sind Liebhaber von Rock und anderen Events. Sie sind aber oft Träger großer Kreativität und Leistungsbereitschaft. Sie haben für ihre Liebe zur klassischen zur modernen Musik keine Heimat. Der Musikvermittlung stehen also noch große Aufgaben  bevor, zumindest bei diesem Klientel.

Robert Weiss 23.10.2017