Donaueschinger Musiktage ----- Sehnsuchtsort der Moderne

Vor fast 100 Jahren 1928  bot der Fürst zu Fürstenberg der modernen Musik eine Heimstatt an. Er selber gehörte zu der Schicht, die zwar nach dem Ersten Weltkrieg politische Macht  verloren, aber ihre Stellung in der Kommune bis zur heutigen Zeit bewahren, wie wir aus der Publikation von Barbara Mansfield wissen und wie er heute noch als Schirmherr dieses Festivals dient.

Dieser Schutz war eine Tat von historischer Bedeutung zu einer Zeit, ehe der Faschismus aller modernen Kunst,  auch der Musik den Tod bedeutete. Daher sollte es uns mit Freude erfüllen, dass die moderne, oder Neue Musik über ein Festival mit einer Leuchtkraft verfügt, das heute über die Grenzen Deutschlands ausstrahlt, wie es die zahlreichen Uraufführungen ausländischer Künstler bewiesen.

Neben den Donauerschinger Musiktagen, der März Musik Berlin und erfreulicher Weise immer zahlreicher werdenden Festivals regionaler und kommunaler Förderer hat die Neue Musik ein Zuhörerproblem, das ihr heute mit ähnlicher politischer Konstellation wie zur Zeiten der Gründung leider ähnliche Probleme bereiten würde wie damals.  Nur die unsichtbaren Welten haben sich seitdem grundlegend geändert  und fordern Veränderung und Wandels als befreiendes Lebensprinzip- steuern wir also dem krassen Materialismus und die erstarrten Körperschaften mit der sensiblen Vibrations der Musiker sagt Enjott Schneider in den Informationen Ausgabe 95, 2018 des Deutschen Komponistenverbandes: eine Fortsetzung der Forderung von 2014, sich auf die ursprünglichen  Qualitäten der Kulturvermittlung zurück zu besinnen,  dem Inhalt und dem  Erhalt der kulturellen Vielfalt (gegen den Sog des Mainstreams )

Die Teilnahme am Programm der Donaueschinger Musiktage ist für den modernen Komponisten ein Ritterschlag vergleichbar mit der Auszeichnung eines Dichters oder Schriftstellers mi der Verleihung des Nobelpreises und desto größer sind die Begehrlichkeiten. Nur hier setzen  Zweifel und nachdenkliches Grübeln des Besuchers  ein, wenn die hier genannten und aufgeführten Komponisten wirklich der Qualität entbehren, die man auf den oben genannten lokalen Festivals als selbstverständlich erachtet. Weiterhin und dies war schon in den voran gegangenen Jahren Anstoß eines kulturellen Nachdenkens : wo bleibt die Kulturvermittlung: Wo finden die hier aufgeführten Komponisten eine weitere Bekanntmachung bei einem immer noch kritisch eingestellten Publikum und besteht überhaupt ein weiterer Informationsbedarf, wie leider das mangelnde Besucherinteresse  an den Ständen  der Fachverleger impliziert ? Weder bei der lokalen Berlin Buch Messe noch bei der Leipziger Buchmesse im Frühjahr konnte der kleine Simon-BW verlag ein derartiges Desinteresse  beobachten. Der kleine aartVerlag, der sich so großherzig  für den  verstorbenen Hermann Meier einsetzt ,  noch der H.H: Musikverlag mit seinen ansprechenden und innovotiven Ausgaben erfreuten sich größerer Beliebtheit.  Dabei bot der Wolke Verlag z.B. mit György Kurtag:  Drei Gespräche mit Bálint  András Varga und Ligeti-Hommagen und seinen Publikationen für Instrumentalisten sehr begehrte und nützliche Publikationen an, die leider wenig gekauft aber auch wenig betrachtet wurden- was alle  Verlage sehr gerne gestatteten.

Dies weist also eine gewisse Diskrepanz zu den sehr gut besuchten Konzerte auf und unterstützt die begründete Jagd der Komponisten nach einem Platz in dem Konzertprogramm, Über diese  Gründe sollte neben der Leuchtkraft des Donauerschinger Musikfestivals  intensiv nachgedacht werden, denn man konnte sich nicht des Eindrucks verschließen, dass auch dieses Festival unmerklich zwar aber doch unaufhaltsam einem Demographie Problem entgegen steuert. Die Steuerungselemente sollten nicht die weitere Aufgabe der kompositorischen Kunst durch Klangkunst sein, wie sie  in den Schlafzimmereinladungen durch das Berliner Radialsystem schon versucht wurden und leider fast immer mit einem Verlust an Aussage und Eindruck einhergehen. Auch die immer intenisver werdende Beziehung auf politische Ereignisse wird der Neuen Musik nicht helfen.  Sowohl Hey als auch Mouhanad von Isabel Mundry kann man entgegen stellen, dass es erstens eine arabische Musik wie ja letztendlich eine klassische Musik nicht gibt. Man sollte sorgfältig jeden Anschein eines Neokolonialismus vermeiden, wie sie z.B. auch dem Satz des Präsidenten der Stiftung Preußische Kulturbesitz auf seinen Satz zu entgegnen ist: Für mich ist Integration erst vollzogen, wenn ein syrischer Kurator einem deutschen Besucher T. Riemenschneider erklären kann. Warum eigentlich? Wo bleibt die Gegenseitigkeit. Hat je ein deutscher Musikliebhaber von dem wunderbarem nubischen Sänger Dahab gehört und wissen wir, dass mit der Zerstörung von Aleppo ein musikalisches Zentrum zerstört wurde, das noch in den siebziger Jahren von einem Musikethnologen aus Deutschland  besucht wurde (Dr. E. Royl). Aussagen wie diese, dass das Klassikerpublikum immer weniger wird und das Interesse an Konzerten nachlässt, werden  teilweise durch die Donaueschinger Musiktage belegt, aber auf der anderen Seite sollte  das Leuchtfeuer von Donaueschingen  in einer  gemeinsamen Anstrengung, diesem Trend entgegen  zu steuern,  eine große innovative Rolle der Öffnung und des Austausches spielen.

Art Oliver Simon