Ein Kommunikationsworkshop für Akteure der Freien Szene

fand am 5.Juni 2018 in den Räumen der Geschäftsstelle der Initiative Neue Musik Berlin unter der Leitung von Guido Möbius und Lisa Benjes statt. Unter den Teilnehmern fanden sich bekannte Gesichter der Berliner Szene wie u.a. Cosima Gerhardt, die Cellistin des Sonar Quartetts, die Komponistin Charlotte Seither, der Komponist Andreas Staffel und viele andere. Die Runde verfügte also über bereits gemachte Erfahrungen im verhandelten Thema und ließ deshalb auf insistierende weiterführende Fragen der Teilnehmer hoffen. Sie traf dabei mit Guido Möbius auf einen Referenten, der im PR-Bereich auf einige Erfahrungen in einem ganz anderen Bereich, nämlich der Popmusik verfügte, was aber dem Reiz der Veranstaltung nachweislich keinen Abbruch tat.

Schnell wurde ersichtlich, dass die Neue Musik zumindest in Berlin an einem handfesten Kommunikationsproblem leidet .Anders ist es nicht zu erklären, dass Frau Gerhardt, die mit ihrem Sonar Quartett unter den Akteuren der Freien Neue Musik Szene in Berlin zu den erfolgreichsten ihrer Zunft zählt, sich beim Vorstellen in gemeinsamer Runde  von der Veranstaltung „dringende Hilfe“ erhoffte

Zwischen der Höhe und Häufigkeit der finanziellen Förderung einzelner Künstler, Ensembles oder bestimmter Projekte besteht  kein direkter Zusammenhang  und gar  eine kausale Kette zwischen beiden Faktoren.  Ebenso falsch wäre es dagegen für die Neue Musik, und speziell die komponierte, in allen Erscheinungen der Popmusik und ihrem zahlenmäßig immer noch größerem Publikum hinterherzurennen, denn längst sind die Krisenphänomen, mit denen die Musikbranche im allgemeinen und die Neue Musik im Besonderen seit langem zu kämpfen hat, auch in der erfolgsverwöhnten Popmusik angekommen.

Die Berliner Freie Szene in der Neuen Musik leidet seit einiger Zeit unter spezifischen Problemen, die z.T. sogar  durch die vom Berliner Senat und seinen ergänzenden Institutionen auf Bundes- und Bezirkseben seit Jahren betriebene Förderpolitik verstärkt werden,  die teilweise durch  Fehlanreize für dem  Markt und damit den Forderungen des Marktes widersprechen.

1) Fehlanreiz Nr.1 ist der von der Politik ständig geforderte Druck, sich selbständig zu machen und sich als ökonomisch äußerst erfolgreiche Größe am Markt gegenüber Mitbewerbern zu etablieren und sich um jeden Preis – koste was wolle – durchzusetzen.

2) Fehlanreiz Nr. 2 – als Endergebnis von Fehlanreiz Nr. 1 – führt zu einem extrem kooperationsunwilligen und kommunikationsfeindlichen Verhalten sämtlicher Akteure der Freien Szene, da man sich ja – gefordert von den Maximen der Förderpolitk -  gegenüber den Mitbewerbern „durchzusetzen“ hat, seine Mitbewerber meinetwegen auch mal geradezu wegbeißen muss, um in diesem  Spiel weiter zu bestehen.

3) Fehlanreiz Nr. 3 – als Schlussstrich dieser Entwicklung und Flurbereinigung – ist das Absterben der künstlerischen Vielfalt und der Pluralität des künstlerischen Reichtums,  die für Berlin einst eine große Chance und eine einzigartige Hoffnung für eine Heerschar vieler Künstler war, die es in Scharen nach der Wende in die Hauptstadt lockte und die nun ultimativ kaputtzugehen droht.

4) Fehlanreiz Nr. 4 – aufgrund der von mir beschriebenen Entwicklungen und den bestehenden Bedingungen kann eine erfolgreiche Kommunikation zwischen den Akteuren der Freien Szene sowohl mit dem Publikum (also extern) und ganz wichtig , als auch intern als freier Erfahrungs- und Gedankenaustausch zur wechselseitigen Fruchtbarmachung gerade der eigenen künstlerischen Arbeit gar nicht erst aufkommen, und wird daher auch in naher Zukunft brachliegen. Meine Befürchtung ist sogar, dass die letzten Reste zarter Pflänzchen, die in diese Richtung marschieren könnten, in absehbarer Zeit,  auf Nimmerwiedersehen verschwinden und Berlin zu einer überaus langweiligen mehr als durchschnittlichen Kulturmetropole mutiert, die sich in nichts mehr von anderen  Städten unterscheidet. In dieser Stadt wird es keine dynamischen und unangepassten Künstler mit Mut, die die Stadt so dringend braucht mehr geben. Keine guten Aussichten weder für die Künstler, noch für Berlin  

Art-Oliver Simon, Berlin den 5.Juni 2018