Ins Offene - eine Erwiderung auf Der Guru der Musikethnologie in nmz 7/8 18:6

es war eine Großtat von Erich von Hornbostel, als er zusammen mit Stumpf den Grundstein für das Berliner Phonogramm Archiv legte. Seine Leidenschaft für die sich in  Deutschland herausbildende Musikethnologie und auch die familiären Mittel befähigten ihn dazu. Der Nationalsozialismus beendete diese Entwicklung. Hornbostel wanderte in die USA aus und das Archiv führte ein unsicheres Leben.

Es ist zu begrüßen, dass die nmz ihm daher einen Artikel  mit seinem  Leben und seinen ununterbrochenen Arbeiten widmet. Zu Recht wird auf die damals gelegte Grundlage der Musikethnologie in Deutschland  hin gewiesen.

 

Aber mit der Konzentration auf v. Hornbostel werden die Nachkriegsjahre und die Gegenwart ausgeblendet, die mitnichten so positiv verlaufen sind und in der Musikwissenschaft zu einer Anerkennung der Musikethnologie geführt haben. Wenn sich auch der Bestand des Phonogramm Archivs in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt hat und jetzt digitalisiert einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung steht, täuscht das darüber hinweg, dass über Jahre die Musikethnologie immer noch das Schmuddelkind der Musikwissenschaft war, in der parallel zum Image des Jazz. Außereuropäische Musik hatte keinen Stellenwert  und wurde schlimmstenfalls als Negermusik verunglimpft.. Dies schlug sich auch in der Bewilligung der Mittel und Ausstattung mit Personal nieder. Obwohl Berlin mit dem DAAD Programm und anderen Institutionen versuchte, diese abgeschotteten Stadt an die internationale Musikszene zu binden, blieb das im Äußeren und letztendlich für die Stadt ohne Wirkung. Musik. Es verlieh Berlin keine Aura des Offenen. Die Musik  anderer Völker spielte sich in abgeschlossenen Räumen ab, sie hat keinen und  nur in einem verschwindend kleinen Ausmaß Einlass in die eigene Musikkultur gefunden. Wenn dies probiert wurde,  z.B. im Zusammenhang mit der Betreuung von Migranten zeigen sich oft neokolonialistische Züge  und  erweckten  keine Neugier an einer fremden Musik, wie sie z.B.  bei Bartok und Strawinsky in ihren Werken anklingen lassen. Dabei stießen die ersten Konzerte in dem Gebäude der Ethnologie in Dahlem auf ein breites Interesse. Man kann dem Phonogramm Archiv nur ein ähnliches Interesse wünschen. .Aber wir sind uns sicher, das kommt nicht allein und bedarf en er klugen Vermittlung.

 

 

Robert Weiss