Komponieren- analog oder digital? Hat der einzelne subjektive Komponist noch eine Zukunft

Diese Frage wurde den Teilnehmern des R.T. gestellt, der das Festival Oaarwurm 4.0, Festival für komponierte Musik einleitete. Die verschiedensten Antworten machten deutlich, wie sehr die Prognosen der zukünftigen Entwicklung auseinander gehen und wie wenig man über eine Zukunft weiß, dessen Paradigma für alle noch im Dunklen liegen. Frau Gisela Nauck, Chefredakteurin der Zeitschrift für Zeitgenössische Musik beobachtet  und kommentiert seit Jahren die Entwicklung der Neuen Musik, die ihrer Meinung nach von der neuen, jungen Generation getragen wird, die mit den sich bietenden  medialen Möglichkeiten  selbstständig umgeht  und dies in den kreativen Schaffensprozess einbaut. Ihr zur Seite wies der Komponist und Hochschullehrer Michael Quell auf die Felder und Räume hin, die das Komponieren beeinflussen und die auch die  verschiedensten internationalen Begegnungen in den Schaffensprozess integrieren. Rolf Großmann von der Leuphana Universität Lüneburg, unterstützte mit der Medienästhetik der Musik die These von Gisela Nauck in der Voraussage einer großen Änderung sowohl der Kreation neuer Musik als auch ihrer Rezeption. Sehr erfrischend wirkte Simone Barrientos,.die kulturpolitische Sprecherin der LINKEN im Bundestag die gegen den allgemeinen Trend , das platte Land als kulturell vernachlässigt und von der allgemeinen Entwicklung abgehängt zu charakterisieren  ihre Beschreibung des musikalischen Lebens auf einem Dorf im Frankenland  in all seinen Facetten.  Dazu können auch Jazzmusiker in Lederhosen gehören und die vielen Chöre, die sich neu installieren. Es wird gesungen, wie wunderbar, wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder. Vielleicht das beste Mittel gegen Hass und Wut, wie es schon ein Fußballverein in Berlin  Weihnachten so erfolgreich  organisiert. Das Motto von Frau Barrientos: Kultur muss nichts, aber Kultur kann viel. In ihrem Einsatz für eine umfassende Verbesserung der sozialen Absicherung von Künstlern und damit einer Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Künstlern und Kreativen traf sie sich mit Roland Jerzewski, der auf diese prekäre Situation vieler Musiker, sowohl ausführender  Künstler als auch Komponisten hinwies.  Diese fallen sehr oft auch durch alle Raster öffentlicher Förderung, weil  sie für eine solche sehr oft nicht über die notwendigen Netzwerke verfügen und weil – dies kann n nicht oft genug gesagt werden- die Neue Musik, ganz unorthodox gesprochen, über ein Schreckenspotential verfügt, wie es ja jetzt gerade in Berlin  deutlich wurde. Von dem Vorhaben Atonale Musik als Mittel gegen  Junkies einzusetzen, rückte die Bundesbahn ab,  als  lebendige Vorführungen  die Zuhörer anzog und zum Gespräch einlud. Diese Lust an der Kommunikation wurde auch beim Beitrag von Gerhard Koch deutlich, dessen Interesse nicht nur der Konzertmusik , sondern auch dem Musiktheater und dem Film gilt,  die er  in der FAZ einen breiten Publikum nahe bringen will. In seinen Ausführungen bewies er einen wachen und offenen Geist, den auch seine Bemerkung unterstrich, mit der er den Kauf des Buches aus der kleinen gleichzeitig stattfindenden Ausstellung von Büchern und Noten rechtfertigte: Birger Petersen: Neue Musik Analysen,. ISBN 978-3-940862-57-0.  Vielleicht kann ich ja noch etwas lernen.

Die Organisatoren des Festivals waren von der interessanten Diskussion der Teilnehmer dieses R.T. sehr begeistert, das bei allen Unterschieden in den Meinungen immer freundlich und humorvoll blieb. Ein sehr interessiertes Publikum hätte gerne an der Diskussion teilgenommen. So wurde in dem anschließendem kleinen Empfang mehrfach von der Präsentation einer CD erzählt, die aus Schnippseln außereuropäischer Musik aus dem Phonogrammarchiv des Ethnologischen >Museums hergestellt worden war. und sich  die Frage der Urheberschaft stellt. Leider war für eine Diskussion dieses Problems, das uns noch verstärkt beschäftigen wird,  nicht genügend Zeit eingeplant, denn das nächste Konzert begann unmittelbar danach. Dieses ist aber ein sehr positives Zeichen, das sich die Neue Musik aus ihrer Gefangenschaft befreien und sie der persönlichen Kommunikation dienen kann. Dafür ist sie im Vergleich mit anderen Künsten besonders gut geeignet und für unser Zusammenleben notwendiger denn je.

(Simon)

 

../assets/images/upload/IMG_9299.JPG

 

IMG_9305.JPG