Musik in den Rändern

Unter Klaviermusik aktuell aus London und Berlin spielte am 16.November der renommierte Pianist Moritz Ernst Klaviermusik von Stelzenbach, Tramin, Simon und Iranyi aus Deutschland und Pritchard, Cutler und Finnnissy aus Großbritannien in einem Dialog mit Frau Dr. Adelheid Krause-Pichler: Veranstaltet vom Studio Neue Musik und der DTKV , dem Deutschen Tonkünstler Verband in dem Großen Salon der Schwartzschen Villa in Berlin. Steglitz- Zehlendorf. Eine wunderbare, eine innovative Veranstaltung: Innovativ, weil sie Wünsche und Bedürfnisse eines Publikums aufnahm, das dieses Konzert  mit sichtlichem Vergnügen genoss. Warum?

  • Britische Künstler sind nur noch selten zu hören, seitdem der British Council aus dem Berliner Gesichtskreis verschwunden ist. Das ist gerade jetzt mit dem drohenden Brexit noch gravierender, damit sich nicht Mitglieder des Deutschen Bahnvorstands durchsetzen, die Englisch aus den Ansagen streichen wollen.
  • Moderne oder zeitgenössische Pianomusik ist heute selten zu hören und das ist bedauerlichgerade angesichts der hier präsentierten Stücke und Komponisten. Nicht immer bereitete Ensemblemusik unserer Zeit mit den abenteuerlichsten Instrumenten große Freude.
  • Die Form eines Dialogkonzertes mit Frau Dr. Adelheid Krause Pichler schuf jene zugewandte interessierte Atmosphäre, die zu einer guten Stimmung beiträgt und um derentwillen – da wollen wir ganz ehrlich sein- man in ein Konzert geht. Die Fehler, die bei der Vorstellung der englischen Komponisten unterliefen, machten die Notwendigkeit, dieses Land wieder in den Kulturaustausch einzubeziehen, sehr deutlich.

Musik in den Rändern könnte man auch ausweiten zu Kultur in den Rändern. Es ist nicht nur die ältere Generation, die sich angesichts der sehr oft schlechten Verkehrsbindung einen Gang in die Innenstadt scheut. Es sind auch die Anleihen an Hauskonzerte früherer Zeiten, die hier aufleben. Man hört gemeinsam, sehr oft gerade neuere Musik in einer freundlichen und lockeren Atmosphäre. Die Musik rückt von den Rändern in den Mittelpunkt der Menschen, der Zuhörer wie der Künstler. Sie unterstützt nicht nur die Kommunikation, die macht sie sehr oft erst möglich. Es ist erstaunlich, wie oft Musik vergisst, dass sie die beste und tiefste Kommunikation der Menschen ist. Ein Konzert am Rande und doch ganz im Mittelpunkt der Menschen.

Art Oliver Simon