Neue Musik – Analysen

Neue Musik – Analysen nannte der Simon-Bw- Verlag das Buch von Birger Petersen und war erstaunt, dass trotz begrenzter Hoffnung, das Buch auf großes  Interesse stieg und noch steigt (Berlin 2013, ISBN  978-3-940862-57-0. Das bedeutete, dass es ein Publikum  mit großem Interesse für die Neue Musik gab, ein Publikum, das man leider nicht oft bei den  Konzerten und Präsentationen der Neuen Musik findet.  Worin liegen die Gründe für einen anhaltenden Schwund an Hörern.

Diesem anhaltenden Interesse, aber abnehmenden Publikum  Frage widmet sich Neue  Zeitschrift für Musik,   klug und umfassend (Nr. 4-2018 ). Dieter Schnebel im Gespräch mit Carolin Naujocks  enthält zwar einige Fehler, es gab sehr wohl Musikwissenschaftler, die sich dem Faschismus entgegen gestellt haben, wie Huber, Mitglied der Weissen Rose, aber es bringt den Komponisten und seine humane und uneitle Art dem Leser näher, so dass mancher Leser jetzt Zuhörer werden kann.

Diese Nummer der Zeitschrift  widmet sich in großem Maße dem Musikstandort Berlin: Auf der Insel, Mein Berlin und Wegweiser zeigen Orte und Musiker aus, die dieses Berlin in gewisser Weise künstlerisch geprägt haben. Warum nur in gewisser Weise? Musikevents, Konzerte Präsentationen und die so oft im Ungefähren bleibenden Klanginstallationen scheinen im Himmel über Berlin hängen zu bleiben und lassen die Stadt unberührt. Das mag auch damit zusammenhängen,  dass Kooperationshaus oder Vermietbutze ?( M. von Aulock)  eine Zusammenarbeit zwischen Freier Szene und Veranstaltungshäusern nicht existiert, also staatlichen alimentierten Häuser jenseits ihre festgelegten Programme diese nicht wahrnehmen. Ob dies mit einem Veto des Senats zu beheben ist, mag zweifelhaft sein. Es sind vielmehr neue bürokratische Hürden zu befürchten,  die die geforderte bessere Durchlässigkeit der etablierten Institutionen wieder zu einer Illusion werden lassen (Till Knipper).

Es geht auch anders wie Markus Hinterhäuser in seinem Beitrag: Die Intervention des Gegenwärtigen, der Intendant der Salzburger Festspiele sucht neue Wege Salzburg ist nicht Donaueschingen. Doch die Selbstverständlichkeit der Präsenz der Gegenwartsmusik sei das Entscheidende. Ich glaube, man tut der Neuen Musik mit dieser Selbstverständlichkeit einen viel größeren Dienst, als ständige Reservate zu schaffen. Man muss diese Dinge freilassen, man  muss sie einfach programmieren, genau so selbstverständlich wie man vollkommen Mozart, Beethoven und Brahms programmiert.

Dafür gab es in Deutschland Vorläufer, Manfred Reichert und sein Ensemble 13. Seine Konzepte und Mühen um die neue Musik, er war der

Entdecker von Rihm, Förderer von Hespos, Cage u. a. finden ihre Dokumentation in den zahlreichen Kritiken und Berichten seines Buches : Fremder Ort Heimat, ISBN 978-3-945610-41-1  der den Teilnehmern des R.T. Oaarwurm 2018 zugeschickt wurde: Thema:  Komponieren analog. Hat der einzelne Komponist noch eine Zukunft ?

 

Förderprogramme sind nötig und Musik zu fördern, bedeutet Zusammenhalt und emotionale Ansprache im Blick zu haben,  die uns zunehmend verloren gehen. Aber es geht nicht  ohne Publikum.  Musik kann sich nur mit Kommunikation,  mit einem Gegenüber entwickeln. Deshalb überraschte , ja erschütterte die Veranstalter  des Festivals Oaarwurm  die Absage eines Verlages, an einer kostenlosten Ausstellung im Foyer  teilzunehmen, um so härter. Nur mit einer Teilnahme eines Autoren, /Komponisten im Programm  würde man an einer Ausstellung und Präsentation teilnehmen.  Die Gelegenheit an einer Diskussion mit dem sonst allenthalben fehlenden Publikum interessiert nicht. Ja, man kann fast annehmen, man fürchtet sie. Kann eine staatliche Förderung solche Folgen haben und ist die fast kritiklose Ausrichtung der Musikszene auf den Tourismus wirklich folgenlos?

 

 

Berlin August  2018   Robert Weiss