OaarWurm-- 5. Berliner Festival für komponierte Musik 2019

OaarWurm- ein Programm. Weder das art ensemble berlin, die Initiative Berlin-Museum e-V. noch Freunde und Musik-Interessierte hatten vorausgesehen, dass der

Titel des Festivals unverändert für ein Programm stehen sollte, das nicht schnell sondern mit großer Mühe und beharrlich einen Platz in der aufgeregten und sich beständig ändernden Musikszene Berlins sichert.

Warum OaarWurm? Ein ins bäuerlich- grundständische veränderte Wortwahl des jetzt zunehmend aus der Mode gekommene Wort Ohrwurm, das noch vor nunmehr 30 Jahren eine gebräuchliche Wortwahl der Musik-Beschreibung und – Kritik war. Dass dies kein treffender Ausdruck für die Neue Musik war, wussten auch die damaligen

Aspiranten und wollten eine Programm und ein Festival, das Neue Musik in der Basis der Musikliebhaber sichtbarer und hörbarer machen sollte.

Es wurde viel versucht, in den 5 Jahren, seit der ersten Veranstaltung von Oaarwurm.

Mit Nachgefragt, II und III  (2011 und 2012);  und den leider nie wieder gehörten Komponisten Hans-Christian von Dadelsen u.a. und der Einladung zu diesen Gesprächskonzerten. Hingehört ! konzentrierte sich in Neues Hören – Musik in Darstellungen und Noten auf Veröffentlichungen Neuer Musik. Der Versuch mit abschließender Darstellung in einem Konzert junger Komponisten aus der Umgebung des Kulturhauses Alte Feuerwache trug nicht den erwarteten Erfolg, ohne Vorbildung und ohne Übung erwachsen keine Kompositionen. Im Grunde genommen zeigte sich in diesem Projekt die gleichen Hürden, an denen auch das ungleich größere Projekt der Kulturstiftung der Länder gescheitert war, jedem Kind sein Instrument, ohne Übung und ohne Hilfe und Unterstützung des Elternhauses keine zukünftigen Künstler. Übrigens eine  Erfahrung, die sich bei der Medienerziehung mit blumigen Titeln, die lauter einsame junge Männer mit entsprechenden Gefährdung produziert, wiederholen wird. 

Also konzentrierte sich OaarWurm und seit 2016 mit wachsendem Erfolg auf Kooperationen. Da die sich innerhalb von Berlin sehr schwer bis überhaupt nicht auf Grund der politischen Struktur verwirklichen lassen und Brandenburg sich mehr von Berlin absetzte als Neigung zeigte, sich zu verbünden mit ausländischen Anbietern wie Gemeinschaften Gruppen. Leider bot sich für solche Vorhaben in Berlin keine Möglichkeit der Förderung, denn natürlich war die Einbindung solcher Gruppen in ein OaarWurm nur mit einem höheren Aufwand an Organisation und Kosten realisieren.  Es lässt sich nun dagegen  halten, dass Programme mit ausländischer Musik, wenn wir das hier so verallgemeinernd sagen dürfen, viel und allenthalben in Berlin angeboten werden. Hier sei nur die Akademie der Künste angesprochen, die mit Kontakte 19, Biennale für elektroakustische Musik und Klangkunst Ende September sich mehr dem Performativen als der Musik widmete. Mit spartenübergreifenden Klang und Installationen aus Choreographie und Theater greift sie mehr in die jetzt zur Verfügung stehende Konten medialer Ver-führungen als zum Hören und Lernen neuer Musik. Auch Cembalo und andere Tasten 25. Oktober  erinnert  fatal an das Festival Antasten des Helmuth Flammer im Süddeutschen Raum, das ohne  Diskussion zu Fall gebracht wurde. Dafür fanden seine Kompositionen hier bei diesem  Konzert auch keine Aufnahme.

Eine Fortsetzung des Kooperations Gedanken wurde in diesem Jahr in Berlin durch das Duo Diversitas (Flöte und Gitarre) mit hoher künstlerischer Leistung und großem Charme realisiert. Die brotfabrik Weissensee gab dafür wieder den freundlichen und der Kunst zugeneigten Rahmen, so dass die Zuhörer dem Programm, das versuchte, die Neue Musik  neben die klassische zu stellen, aufmerksam zuhörten und dies trotz der Hitze, die an diesem Abend alle Rekordes des Sommers 2019 schlug. 

Wurde der Gedanke der Musik Kooperation in diesem Jahr auch nicht verlassen, so wurde die Idee der Basisverknüpfung, die OaarWurm seit dem ersten Konzert nie verlassen hatte, in der Kooperation mit der Autorenschule Schreibhain umgesetzt. Dabei ging es konkret um die Vorstellung Neuer Musik (u.a.Simon Miszellen III und Keller-Skizzen) und die Vorstellung von Roman- Entwürfen in Gegenwart der Künstler. Für die Zukunft wurde auch eine Zusammenarbeit in Sprache und Musik angedacht, wie sie seit der Veröffentlichung von Aus der Tiefe der Gesang-Lieder unserer Zeit besteht und gerade für die Aufnahme russischen Liedgutes (hier sei nur der russisch österreichische Komponist M. Seloujanov genannt ) gewünscht wird.  Aber es fehlen die Mittel für die Herstellung des Wort Notenmaterials, was der Verlag Simon-BW außerordentlich bedauert. Man versprach sich aber auch zukünftige Zusammenarbeit bei Projekt- Planung und Durchführung, schon um den unzähligen  Klangkunstevents professionelle und stark gegründete Arbeit entgegenzusetzen.

 

Daher gehörte auch Frau Tanja Steinlechner zu den Teilnehmern der Podiumsdiskussion in der Galerie des Kulturhauses Alte Feuerwache, die unbestritten eines der Höhepunkte dieses OaarWurm Festivals war. Hatten die Debatten in den vergangenen Jahren sich dem fehlenden Publikum, der auf den Hund gekommenen musikalischen Erziehung in den Schulen und der erschreckenden Ausmaße annehmenden Prekarisierung von Künstlern gewidmet, so stand diesmal der Komponist im Mittelpunkt der Beiträge von G. Iranyi, M. Keller und R. Rubbert. Moderiert wurde die Debatte von A.O Simon und von der Seite der Digitalisierung von Tobias Jerzewski. Die Digitalisierung bedroht nicht nur die Künstler sondern vorerst und zwar in der ganzen Schwere die Komponisten. Einerseits kann auch ein noch so scharfes Urheberrecht nicht verhindern, dass Kompositionen zusammengeschnitten werden oder in Klangteppichen verwendet werden. Hinzu kommen die politischen Strukturen, die nicht nur in Berlin Förderprogrammen wie Jazz oder Pop den Vorzug geben. Obendrein hat bei der herrschenden  Kultur der entscheidenden Juris keine Komposition Neuer Musik, wenn sie sich noch abseits des main streams verortet eine große Chance auf Förderung, wie es deutlich wurde, als Rainer Rubbert danach gefragt wurde, warum seine Kleist Oper keinen Zugang in die Öffentlichen Opernhäuser Berlin fand und damit dem Publikum eine Chance geboten wurde, diese zu hören.

Wenn auch on dit Neue Musik auf das junge Publikum schielt, und daher ganz bestimmten Regeln hinterher läuft, so muss man das in Frage stellten. Das junge Publikum besucht Jazz Konzerte und Popp wenn man den Verlautbarungen glauben will. Sie suchen diese Konzerte als Möglichkeiten, sich sichtbar zumachen. Dies ist gut und wurde von früheren Generationen auch so gemacht. Warum ist nicht Neue Musik für alle Musikliebhaber da, die sich dafür interessieren und in der Suche nach Programmen sind.  Warum sieht nicht auch der Staat die verschwindende Kreativität, deren Entwicklung gerade auch in der Neuen Musik liegt, die gepflegt werden muss, von der Schule an, wie der der Komponist G. Iranyi sagte.

In dem darauf folgenden Konzert  des Trios Yabe wurde auch das Stück von Beyer Schabefleisch gespielt. Das Trio wusste nicht, dass einer der Zuhörer der frühere Leiter des Berliner Phonogramm Archivs war, der sich auf Grund seine Forschungen zur afrikanischen Musik sein berufliches Leben lang mit Kreativität in der Musik beschäftigt hat, die so viel von Europa verschiedene Wege des Ausdrucks

fand und der dieses Stück hier mit harschen Worten bedachte. Der Gitarist machte den menschenfreundlichen Versuch mit einem erneuten Vorspiel dem Zuhörer das Stück nahe zu bringen, was abgelehnt wurde.

Es soll sich, hört man, ein Verein für die Förderung klassischer Musik gebildet haben  weil – man kann es eigentlich nicht begreifen - ein Angebot komponierter Musik fehlt. OaarWurm ist nicht der Ort, nach Schuldigen oder Lösungen zu suchen. OaarWurm 5 war aber der Ort, auf die drohende Leere eines Musiklebens ohne komponierte Musik aufmerksam zu machen ! Auch die Vorschläge von Monika Grütters Digitalisierung im Kulturbetrieb, /Wie sich künstlerische  und künstliche Intelligenz verbinden lassen bieten alte Wege an  Bei dem Vorschlag, aufsehenerregende künstlerische Produktionen zu fördern, fragt sich,  wer entscheidet darüber? Dass den dort gemachten Vorschlägen (Berliner Tagesspiegel 7.10) eine Fragezeichen entgegen gesetzt wird, wer die Vermittlung, Vernetzung und Verständigung übernehmen wird setzt OaarWurm sein Können und Professionalität entgegen.  Es kann dies leisten, aber nicht in einem leeren Raum. 

Robert Weiss 

 

 

 

Foto: Maria Aroseva

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Maria Aroseva