Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder - Musik in Halle 4 der Büchermesse in Leipzig

Es war ein  zahlreiches Publikum, das gezielt das Klangcafé zu einem Besuch während der Buchmesse ausgewählt hatte. Die Präsentationen: von einem Klavierpart , zu Gesang (manchmal auch ein bisschen kitschig) zur Buchvorstellung und zu Miszellen gespielt von dem Dresdner Klarinettisten, Wettin, der damit schon das Publikum bei Buch Berlin erfreut hatte,  war ein Querschnitt durch die verschiedenen Musiken und deshalb  beim interessierten Publikum beliebt. Konfrontiert mit Alter Musik, alter Klassik, Neuer Musik,( mitunter sehr erschreckend) , soll ein Publikum auswählen, wie es sein Geld und seine knappe Freizeit einsetzt. Das Ergebnis ist Ratlosigkeit und Abstinenz vom Konzertleben .Dem wirkt die Buchmesse  entgegen , die Spieler, Hörer und Musikliebhaber zu den Ständen trieb. Noten für Bratsche, Klavier für 4 Hände zum Zusammenspiel mit der Mutter, Noten für den Jahre lang vergessenen Kontrabass und immer wieder Gespräche über Musik.-Leipzig zeigte die Lebendigkeit seiner schönsten Tradition – der Musik; Nicht nur Bach, auch Reger und Schumann haben an dieser Tradition mitgewirkt,  die mit dem Bau seiner  Musikhalle im 18. Jahrhundert  Berlin übertraf und den ersten Platz in  der Musiklandschaft einnahm. Es war deshalb bedrückend, dass die Stände auf dieser Messe sich in erster Linie auf die Pflege alter Komponisten konzentrierten. Neuausgaben von Bartok, Werke von Debussy . Man schien den 80. Geburtstag von Hans Joachim Hepos (Höre Hespos, Berlin 2011) nicht  zur Kenntnis zu nehmen  Ein dieses Jahr gefeierter lebender Komponist , der in diesem Sommer nicht nur mit einem Festival in Hannover gefeiert wird,   sondern auch Composer in residence in Köln ist. Dabei wurde dieses Zusammenspiel alter und neuer Musik  von Manfred Reichert (Fremder Ort Heimat , Berlin 2018)  in allen seinen Programmen versucht und somit Pärt, Cage dem Publikum näher gebrachte. Reichert scheute vor nichts zurück, so ließ er  Rihm in einem Film über Schubert auftreten.

Boulez, heute fast nur noch in Erinnerungskonzerten hörbar.  Ariana Hölszky,  fast unbekannt , Frank Michael Beyer, Hans Christian Dadelsen , Helmuth  Flammer  wer kennt sie und wer die Namen von Quell,   Max Keller (Schweiz), Maxim Seloujanov, Matthias Krüger, Marco Reghezza (Italien) oder Art–Oliver Simon.

 

Die sommerlichen Musikfestspiele von Dresden warben auf  einem Stand auf dieser Messe mit einem umfangreichen glanzvollen Katalog.  Warum eigentlich ist es nicht möglich, einen Bruchteil, nicht die Hälfte , auch nicht ein Viertel dieser Beethoven-Glanzkonzerte- mit hochkarätigen Instrumentalisten und Künstlern für die Neue Musik zur Verfügung zu stellen- auf dass die nächste Generation, wenn Beethoven und Mozart längst zur Programmmusik in Kaufhäusern, Bahnhöfen und Restaurants  verkommen sind, doch eine Ahnung vermittelt wird,  dass Komponieren nicht verschwunden  und Komponisten nicht verstummt sind, und somit den Menschen die Lieder nicht ausgehen hoffentlich  und ausgehen mögen?        

Art-Oliver Simon